Das Amerika Phänomen oder wenn Deutsche auf Deutsche in Amerika treffen

Heute erzähle ich euch von einem Phänomen, dass ich das Amerika Phänomen nenne. Und zwar geht es darum, wenn Deutsche auf andere Deutsche treffen, die auch in den USA unterwegs sind. Ich habe das in meinen vielen Jahren der USA Besuche schon öfter festgestellt und jetzt hatten wir wieder zwei solcher “Begegnungen”, so das ich euch davon erzählen möchte.
Die erste dieser “Begegnung” hatten wir in einer Mall. Nachdem ich einen leckeren Pumpkin Pie Latte getrunken (Leute das Zeug ist der Wahnsinn) und einen extremst leckeren Sugar Cookie mit Frosting verzehrt hatte, machten wir uns auf den Weg zu GAP. Ich bin ja wirklich nicht der Markenjunkie, aber GAP hat echt super coole Klamotten für Kinder und wenn sie dann noch im Sale sind, muss ich da rein.

 Ich hatte zwei richtig coole Shirts für den Mini Chef gefunden und haderte gerade mit der Entscheidung, ob ich die Shirts in der Größe für Zwei- oder Dreijährige nehmen soll. Kleine Bemerkung am Rande: In den Staaten gibt es bei Kindertextilien keine Größenangaben wie in Deutschland, sondern sie werden nach Alter unterschieden (0-3 Monate, 3-6, 6-12, 12-18, 18-24, 1 year, 2 years usw.)

Ich sagte also zu dem großen Chef: “Ich weiß nicht welche Größe ich nehmen soll. Ich möchte ja auch, dass die Shirts noch eine Weile passen.” Auf einmal ertönt eine Stimme neben mir: “Ja also ich würde auch die nehmen, die noch eine Weile passen.” Ich gucke auf und denke mir nur so: “What the ….!” Gesagt habe ich erstmal nichts. Zum Glück ist der große Chef in solchen Momenten, sagen wir mal, sozialer als ich, denn ich kann in diesen Situationen ja echt ignorant sein. Nun ja. Da standen sie also vor uns: Herr und Frau Deutsch Marke Touri, aber wir tun so, als ob wir keine Touris sind.

 Nach weniger als 2 Minuten haben sie uns dann sofort (und das nenne ich das Amerika Phänomen) ihre komplette Amerika Geschichte aufs Auge gedrückt: Bei wem sie hier zu Besuch sind, wie lange sie bleiben, wo sie schon waren, was sie schon alles gesehen haben, wie oft sie schon in den USA waren und so weiter. Laaaaaangweilig! Ich hätte am liebsten gesagt: “Ähm nein, nur weil wir dieselbe Sprache sprechen darfst du dich nicht unaufgefordert in unsere Privatgespräche einmischen und nein, wir sind nicht beste Kumpels, nur weil wir alle aus Deutschland kommen und zufällig zur selben Zeit in den USA unterwegs sind.” 

Ein paar Tage später hatten wir auf dem Spielplatz (da ahnste ja eigentlich nüscht schlimmes) eine ähnliche Situation. Ich hatte schon im Augenwinkel beobachtet wie der große Chef  mit einem anderen Mann geredet hat. Nachdem der andere Mann auf deutsch (!!!) etwas zum großen Chef gesagt hat, fragte der große Chef dann: “Wo kommt ihr denn her?” Und jetzt kommt´s. Da antwortet der andere Typ doch: “Aus Deutschland.” N-E-I-N! Ist nicht wahr?! Also das hätte ich jetzt nicht gedacht. Was für eine Überraschung. Aus Deutschland. Junge, Junge!
Und auch dieses Gespräch verlief wie das vor ein paar Tagen. Innerhalb kürzester Zeit wussten wir bei wem sie zu Besuch sind, wie gut sie doch Englisch sprechen, wie oft sie schon in den USA waren, was sie alles schon gemacht haben und was sie noch machen werden. Ja und zum Social Networking nach Los Angeles fährt der Gute auch noch. Bitte? Sorry? Was war gerade? Ich bin kurz eingenickt. Ach Social Networking. Ja ich mache nachher auch noch Social Networking – und zwar mit meiner Waschmaschine und meinem Staubsauger.
Dieses Amerika Phänomen ist wirklich äußerst interessant. Das verhält sich wie mit Müttern auf dem Spielplatz. Kennt ihr das? Da buddelst du gerade gemütlich mit dem Mini Chef im Sandkasten und schon bekommst du von einer anderen Mutter zu hören, wie gut doch Karl Heinz Friedrich schon sprechen kann, und mit 8 Monaten konnte er laufen, ab der 2. Woche hat er 9 Stunden am Stück geschlafen, seit er 12 Monate alt ist lernt er Spanisch, seit er 14 Monate alt ist spielt er Klavier und nächste Woche fängt er noch mit Geige spielen an. Mütter präsentieren ja sehr gern ihre Kinder und drücken einem alle möglichen Infos aufs Auge.
Und genauso ist es, wenn man Deutsche in den Staaten trifft. Es wird sofort angegeben erzählt, wen man doch hier alles kennt, wo man schon war, wie oft man schon hier war, wie perfekt man doch Englisch spricht und so weiter. Aaaaaannnstrengend!
Mein Gott ich erzähle doch auch keinem, dass wir in Georgia Verwandschaft haben, Freunde in Florida, Kalifornien und New York, das ich fließend Englisch spreche, das wir schon so oft in den USA waren, dass wir es gar nicht mehr zählen können und das wir schon extrem viel gesehen haben. Und was wir noch nicht gesehen haben, interessiert uns entweder nicht oder wir haben es noch auf der To Do Liste (Upsi jetzt habe ich es ja doch erzählt).
Keine Ahnung woran das liegt, aber dieses Amerika Phänomen (vielleicht sollte ich den Begriff patentieren lassen) kann wirklich anstrengend sein. An dieser Stelle ein Aufruf: Leute – es ist wirklich schön, dass ihr auch in den USA unterwegs seid, aber bitte uns interessieren eure USA Geschichten nicht. Nett lächeln, nicken und bitte weiter gehen. Das würde reichen!
Ich stelle also fest: Mit Kinderaugen betrachtet, ist es dem Mini Chef völlig egal, ob das Kind gegenüber Deutsch spricht oder nicht. Beziehungsweise anscheinend findet er englischsprechende Kinder spannender, denn als der Typ auf dem Spielplatz sagte: “Guck mal XY (habe leider den Namen von besagtem deutschen Kind vergessen) der Junge spricht deine Sprache.” Hat sich der Mini Chef umgedreht und ist abgehauen. Gutes Kind!
Eure Dajana

One Comment

  • Anne

    26. November 2013 at 10:34

    Liebe Dajana,
    ja, diese Touri-Unarten… 🙂 Aber vielleicht denken die Herrschaften ja auch einfach: "Ach, so eine nette junge Familie, und aus D sind sie auch noch, da muss ich doch mal vorsprechen." Und: Nichts verbindet so sehr wie ein gemeinsames Schicksal (in diesem Fall: ein gemeinsames Reiseziel) – da muss man dann einfach einen Plausch starten. Manchmal ist das ja auch wirklich nett. Und wenn nicht: Lächeln und winken! 🙂
    Viele Grüße, weiter eine gute Zeit in den USA.
    Anne
    PS. You've got mail.

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