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So ein Geschwisterkind: Ein Gastartikel von Katharina vom Blog “Sonea Sonnenschein”

Hallöchen!Ich habe noch einige janz tolle Gastartikel für euch. Heute kommt wieder einer und zwar von einer meiner wundervollen Blogger Kolleginnen. Katharina kenne ick noch gar nicht so lange, aber wir zwei haben schon einiges zusammen erlebt. Ick sage nur Road Trip nach Berlin mit mega Stau, Fahrt durch die Pampa (sprich Überland), cooles Blogger Event, noch ein cooles Blogger Event und wieder Road Trip zurück nach Köln wieder mit Stau und och noch mit Dauerregen. Jaja das war schon ein geiler Trip und er hat nicht mal 72 Stunden gedauert.

Der Mini Chef war auch gleich ganz angetan von Katharina. Kein Wunder. Die Gute ist liebenswert. Die musste mögen. Sie bloggt übrigens auf Sonea Sonnenschein über ihr Leben mit ihren zwei Kindern, ihrem Mann und ihren Nähkünsten. Katharina kann nämlich das was icke nicht kann. Nähen. Und das macht sie ziemlich gut. Also schaut mal rein auf ihrem Blog. Und jetzt viel Spaß mit dem Artikel von Katharina.

Eure Dajana

Es gab eine Zeit, in der ich der Meinung war, dass man heutzutage nicht mehr ungeplant Kinder in die Welt setzt und ich selbst wollte sowieso keine Kinder haben. Meine größte Angst war ein behindertes Kind zu bekommen. Eine Aufgabe, der ich mich nicht gewachsen fühlte. Begründen konnte ich das aber nicht.

Dann wurde ich schwanger, ungeplant und zu allem Überfluss verlor ich auch noch meinen Job. Aber das ist eine andere Geschichte. Noch mehr Katastrophen konnte ich zu dem Zeitpunkt wirklich nicht gebrauchen. Die Nackenfaltenmessung im Rahmen der Pränataldiagnostik habe ich in der stressigen Phase dann irgendwie versäumt zu machen. Mein Frauenarzt sah aber auch keinen Anlass dazu und die Messung mit seinem (alten) Ultraschallgerät ergab auch keine Auffälligkeit. Beim Organscreening in der 22. Schwangerschaftswoche erfuhren mein Mann und ich dann, dass wir ein Mädchen erwarten. Irgendwie musste ich das erst einmal realisieren, denn ich war wochenlang der festen Überzeugung gewesen, dass ich einen Jungen bekommen werde. Die Ärztin schallte mich sehr lange und war sehr redselig. Am Ende der Untersuchung sagte sie uns “Ihre Tochter hat einen White Spot, das ist ein Softmarker für das Down-Syndrom. Aber ich habe Sie ausführlich geschallt und es gibt sonst überhaupt keine Anzeichen die für ein Down-Syndrom sprechen. Sie können eine Fruchtwasseruntersuchung machen, um sicher zu gehen, aber das Risiko, dass dabei etwas passieren würde ist viel größer, als dass Ihr Kind das Down-Syndrom hat. Ich gebe Ihnen die Hand darauf – dieses Kind hat kein Down-Syndrom!”. Ich war ein wenig beunruhigt nach der Untersuchung, aber mein Frauenarzt winkte den Softmarker später auch lapidar ab “Die hat es im Moment aber auch mit ihrem White Spot!”.
Einige Wochen später musste ich noch einmal zu einer ausführlicheren Untersuchung ins Krankenhaus, da die eine Seite meiner Plazenta nicht so gut durchblutet war. Zu diesem Termin ließ ich einen 3D-Ultraschall machen. Das Schicksal wollte es, dass mich niemand zu der Untersuchung begleiten konnte. Irgendwie war die Chefärztin viel schweigsamer als beim letzten Termin. Und als ich das Krankenhaus mit einer CD voller 3D-Ultraschall Bildern verließ, weinte ich erstmal. Ich war so unendlich traurig, fühlte mich unbehaglich und wusste nicht wieso. Eigentlich müsste ich mich doch freuen nach all diesen wunderschönen Bildern, die ich bon meiner Tochter gesehen habe. Vor jeder weiteren Vorsorgeuntersuchung hatte ich eine schlaflose Nacht, weil ich ständig in Angst lebte, dass irgendetwas nicht stimmen würde.
Zum Glück ist Sonea mein erstes Kind. Sonst wäre ich vielleicht beunruhigter während der Geburt gewesen als die Herztöne mit jeder Wehe weg gingen. Meine Hebamme hängte mich an den Wehentropf und sorgte dafür, dass wir um einen Notkaiserschnitt drum herum kamen.
Nach der Geburt beschlich mich wieder das Gefühl, dass irgendwas nicht stimmen würde. Mir war nach Heulen, aber ich schob es auf die Hormone. Und irgendwie fühlte ich nur die Schmerzen von der Geburt. Alle hatten doch gesagt, dass die direkt nach der Geburt vergessen wären. Unendlich viel Liebe überkam mich beim Anblick meines süßen, kleinen Mädchens. Die letzten Monate waren ein Spießrutenlauf. Ab jetzt würde alles nur noch gut werden! Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass um sich mich herum alle ein bisschen merkwürdig verhielten, teilweise fast schon ablehnend. Ich konnte dieses Gefühl aber nicht deuten. Als ich am Abend alleine mit meinem Kind war, schoss mir kurz das Down Syndrom durch den Kopf. Ich schob diesen Gedanken schnell wieder beiseite. So ein Quatsch! Die Ärzte und Schwestern hätten doch längst etwas gesagt, wenn es so wäre. In der Nacht schlief ich ganz dicht an meine Tochter angekuschelt. Heute bin ich sehr dankbar für diese Nacht mit meinem völlig gesunden Baby.
Am nächsten Morgen fühlte ich mich schon fit genug für die Rückbildungsgymnastik. Ich gab Sonea im Neugeborenenzimmer ab und als ich eine halbe Stunde später wieder hoch kam, lag sie dort auf dem Wickeltisch und schrie sich die Seele aus dem Leib. Ich war sehr beeindruckt von dem lauten Organ meiner Tochter, dachte mir im ersten Moment aber nichts weiter dabei, außer dass dies sicherlich schon die U2 sei. Ein nicht wirklich sympathisch wirkender Kinderarzt schaute mich an “Sind Sie die Mutter?”. Ich nickte und hielt meiner Tochter zur Beruhigung das Händchen. Der Arzt redete weiter und teilte mir kurz und knapp mit, dass er meiner Tochter nun Blut abnehmen würde. Es fielen Wörter wie Schrägstellung der Augen, Vierfingerfurche und Down-Syndrom. Irgendwie nahm ich alles um mich herum nur noch schemenhaft war und hatte das Gefühl in ein tiefes, schwarzes Loch zu fallen.
Die nächsten Wochen waren geprägt von viel zu vielen Tränen und schlaflosen Nächten. Wenn ich dann doch mal schlief, schreckte ich meistens aus dem Schlaf hoch, in der Hoffnung aus diesem Albtraum wieder aufzuwachen. Aber das Down-Syndrom ließ sich auch nicht einfach wegträumen.
Die Traurigkeit und der Schock, die am Anfang unser junges Familienleben beschatteten, waren ziemlich schnell verflogen. Dafür sorgte vor allem Sonea. Sie war so ein liebes und fröhliches Baby. Ein klassisches Anfängerbaby. Wir fanden auch ziemlich schnell Anschluss dank eines Forums für Down-Syndrom (www.dielila.de) und stellten fest, dass wir nicht alleine sind. Familien mit zauberhaften Kindern lernten wir über die letzten Jahre kennen, alles andere als traurig oder depressiv und zu manchen entwickelte sich über die Jahre eine richtige Freundschaft. Die Babyzeit von Sonea war sicherlich ein bisschen anders und vor allem geprägt von Therapieterminen und Babykursen (ich wollte nichts auslassen, was förderlich für mein Kind ist), aber all das floss ziemlich schnell in unseren Alltag ein und wurde zur Routine. 

Bildrechte: Sonea Sonnenschein
Mittlerweile ist Sonea sechs Jahre alt und geht seit ein paar Wochen in die Schule. Begleitet von einer Integrationshelferin besucht sie eine ganz normale Grundschule und kommt Tag für Tag so glücklich und ausgeglichen wie schon lange nicht mehr nach Hause. Sie ist ein sehr Willensstarkes Kind und weiß vor allem immer sehr genau was sie NICHT will. Aber vor allem ist sie ein Kind, das Spuren in den Leben anderer Menschen hinterlässt. Sie ist so eine starke Persönlichkeit, an der man nicht einfach vorbei sehen kann. Dieses entwaffnende Lächeln, diese Großherzigkeit und ein grandioser Humor sind nur ein paar wenige von vielen Attribute, die Sonea auszeichnen. 

Bildrechte: Sonea Sonenschein
Das Leben mit einem besonderen Kind bringt viele Hürden und Stolpersteine mit sich. Es bereichert einen aber auch unglaublich. Neben all der Liebe, die man von seinem Kind zurück bekommt, lernt man vor allem noch einmal ganz viel über das Leben. Die Wertigkeiten und Prioritäten verschieben sich. Während ich früher stets auf der Suche nach dem Glück war, habe ich mit der Geburt von Sonea realisiert, dass ich längst mein großes Glück gefunden habe. Heute bin ich ein glücklicher(er) Mensch, definiere mich aber auch nicht über das, was ich habe oder haben könnte, weiß kleine Gesten als viel wertvoller zu schätzen als große Geschenke und freue mich über Kleinigkeiten, winzige Erfolge und nicht nur riesen Meilensteine. Durch meine Tochter hat sich mein Weltbild grundliegend verändert – zum Positiven.

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