Irgendwann wird es besser

Hallöchen!

Das Leben mit Kindern ist nicht immer einfach. Oder nee. Moment. Noch mal von vorn.

Das Leben mit Kindern ist manchmal sehr anstrengend und stressig. Da müssen wir uns nüscht vormachen. Dit ist nun mal ne Tatsache. Das Leben mit Kindern ist natürlich wunderbar und ich möchte um nichts in der Welt tauschen, aber es ist nun mal manchmal auch verdammt anstrengend und Kräfte zerrend.

Einschub. Ick entschuldige mich für meinen Kraftausdruck, aber manchmal ist es wie ne Therapie, wenn man mal flucht und Kraftausdrücke benutzt. Einschub Ende.

Bevor ich Kinder hatte, habe ich mir das Leben mit Kindern immer wie folgt vorgestellt: Jeder Tag läuft entspannt und harmonisch ab. Gegessen wird zusammen am Tisch. In Ruhe und Harmonie. Dabei wird der Tag ausgewertet. Nach dem Essen wird sich gemeinsam im Bad bettfertig gemacht. Danach husch husch in die Falle. Noch ein Buch oder ein Lied. Hinlegen, kuscheln, schlafen. Mama und Papa gehen auf die Couch. Feierabend. Füße hoch.

Diese Vorstellung ist auch wegen der Erinnerung an meine eigene Kindheit in mir verankert. Nie habe ich als Kind mitbekommen, dass meine Mama gestresst war oder es bei uns aussah wie bei Hempels unterm Sofa (die armen Hempels – müssen immer herhalten). Meine Mama hat also ganz offensichtlich ganz viel richtig gemacht, denn ich habe eine durchweg positive Erinnerung an meine Kindheit.

Ich versuche natürlich auch jeden Tag, für meine Kinder positive Erinnungen zu schaffen. Wahrscheinlich klappt das auch täglich. Nur habe ich nicht immer dieses Gefühl. Besonders an Tagen, an denen ich gefühlt nur unter Strom und mit Puls von 220 durch die Gegend renne. Das sind diese Tage, an denen der Mini Chef nur am Bocken ist, die Mini Chefin nur auf meinem Arm glücklich ist und icke zu nichts komme. Die Wohnung sieht aus, als wenn Räuber nach Gold und Wertsachen gesucht hätten. Essen kannste vom Boden, denn dort liegen noch die Reste vom Frühstück. Schlüppa gibt es nicht mehr, denn die sind alle in der Wäsche und die ist noch nicht gewaschen. Ich streiche zwei Dinge von der To Do Liste und schreibe 13 wieder hinten dran. Mein E-Mail Postfach ist randvoll mit unbeantworteten Mails und mein Redaktionsplan lacht mich schon aus, da er weiß das ich ihn eh nie so hinbekomme wie geplant.

An diesen Tagen bekommt man von anderen Menschen oft zu hören “Es wird besser. Irgendwann wird es besser!”

Vermutlich haben sie mit dieser Aussage recht. Und sie meinen es natürlich nicht böse, sondern nur lieb. Sie sehen ja, dass mach aktuell in einer eher schwierigen und gestressten Phase steckt, weil das Kind schlecht schläft oder viel krank ist. Das zerrt an den Nerven aller und ist für keinen angenehm. Am wenigsten für die Kleinen.

Also bekommt man zu hören “Es wird besser!”

Und das stimmt natürlich. Irgendwann wird es besser werden. Dieses irgendwann bedeutet aber auch, dass es dann anders es. Nicht mehr so wie jetzt.

Die Mini Chefin zum Beispiel wird ab Februar nächsten Jahres in den Kindergarten gehen. Wie oft denke ich “Ab Februar wird es einfacher. Dann haste wieder mehr Zeit am Tag und musst nicht alles gestresst und unter Hektik erledigen. Dann kannste wieder tagsüber arbeiten und musst nicht jeden Abend bis nach 24.00 Uhr am Rechner sitzen.”

Aber ganz ehrlich, ich möchte nicht so denken und schäme mich manchmal auch ein wenig dafür. Ich will nicht jeden Tag darauf hinfiebern, dass mein zweites Kind in den Kindergarten geht. Denn das bedeutet dann auch, dass diese magische erste, gemeinsame Zeit mit ihr vorbei ist. Diese Zeit, in der ich so viel mit ihr spielen und erleben kann. Diese intensive Zeit, wo ich ihr Mittelpunkt der Welt bin.

“Eines Tages wird es besser!” Ja, das stimmt wohl. Wenn es dann aber besser ist, ist es auch anders. Denn dann sind die Kinder größer. Dann bin ich nicht mehr ihr Mittelpunkt der Welt. Dann werde ich mehr Zeit haben, denn sie sind bei ihren Freunden oder wollen alleine in ihrem Zimmer sein.

Ich werde dann mehr Zeit haben. Viel mehr Zeit. Dann sitze ich nicht mehr über Stunden spielend auf der Erde rum. Dann baue ich keine Lego Bauwerke mehr. Ich musiziere nicht mehr. Ich lese auch keine Bücher mehr. Und ich male und knete nicht mehr. All das tue ich dann nicht mehr. Dann habe ich mehr Zeit, denn all diese wunderbaren Sachen muss ich dann nicht mehr tun. Aber will ich das?

Sicherlich hätte ich jetzt manchmal gern mehr Zeit. Mehr Zeit für mich. Mehr Zeit um in Ruhe arbeiten und schreiben zu können. Mehr Zeit, um mal ein Buch zu lesen oder TV zu gucken. Mehr Zeit, um mal wieder ein Vollbad zu nehmen oder abends ins Kino zu gehen.

Für all diese Dinge habe ich im Moment so gut wie keine Zeit. Was ich im Moment aber habe ist die Zeit mit meinen Kindern. Auch wenn mir nach dem 143 Mal “Mamaaaa” am Tag das Ohr schmerzt und ich genervt “Jahaaa. MOMENT MAL BITTE!” brülle. Auch wenn ich manchmal denke “Ach schlaf doch endlich!” oder “Nee ick will jetzt nicht spielen. Ick will mal fünf Minuten nen Kaffee trinken und was lesen.”

All das denke ich beinahe täglich. Aber nur kurz, denn dann besinne ich mich auf das Wichtigste im Leben und das sind meine Kinder. Klar, muss ich den Haushalt machen. Klar, muss ich Termine und Deadlines einhalten und klar muss ich auch mal an mich denken und durchatmen. All das ist wichtig.

Aber nichts ist wichtiger, als Zeit mit meinen Kindern zu verbringen.

Und es ist egal, ob ich die Küche jetzt oder erst in zwei Stunden aufräume. Und es ist auch egal, dass die Kissen nicht auf der Couch, sondern daneben liegen. Und es ist auch egal, ob das Kinderzimmer jeden Abend aufgeräumt ist oder nicht. Es ist auch egal, wenn ich die Wäsche erst morgen in den Schrank räume.

Jeder muss für sich entscheiden, wann er was und wie er was tut. Keiner kann dir sagen, bei mir war oder ist das aber so. Na und. Bei mir läuft es eben anders.

“Irgendwann wird es besser!” Es muss gar nicht besser werden, denn es ist ja im Moment nicht schlecht. Sicherlich ist es manchmal chaotisch, laut, unaufgeräumt und hektisch. Aber so ist das Leben mit Kindern eben. Aber schlecht ist es nicht. Also muss es auch nicht besser werden.

Und sind wir mal ehrlich, für die meisten hektischen Momente am Tag sind nicht die Kinder, sondern wir verantwortlich. Oft liegt es an unserem falschen Zeitmanagement. Das fängt schon morgens an. Ich bewundere ja Familien, bei denen es morgens harmonisch und gesittet abläuft.

Wir gehören nicht zu diesen Familien. Irgendwann bricht bei uns immer das Chaos aus und dann wird es hektisch. Das liegt aber nicht an den Kindern. Es liegt an mir. Der Wecker klingelt um 7.15 Uhr. Erst zwischen 7.30 und 7.45 gehen wir runter. Warum? Weil wir kuscheln, spielen, quatschen. Diese Zeit fehlt uns am Ende natürlich und was ich tue ich dann? Ich ermahne den Mini Chef ständig “Beeile dich doch mal! Muss das jetzt sein? Komm wir müssen los!” und so weiter. Kennt jeder, oder?

Der Mini Chef aber macht jeden Morgen dasselbe und da ich mein Kind kenne, weiß ich das natürlich. Ich weiß, dass er seine aktuellen Lieblingsspielzeuge vorm Verlassen der Wohnung ordentlich aufbauen möchte. Ich weiß auch, dass er meistens nicht nur einen Gang, sondern oft zwei Gänge zum Frühstück möchte. Ich weiß auch, dass er sich gern laaangsam auszieht und noch laaaangsamer wieder anzieht.

All das weiß ich, denn es ist jeden Morgen dasselbe. Da ich es nun weiß, müsste ich einfach für diese für ihn normalen Abläufe mehr Zeit einplanen. Indem ich früher aufstehe. Dann wäre es morgens halb so hektisch und ich müsste halb so viel mahnen. Tue ich aber nicht. Also liegt es doch an mir und  nicht an den Kindern.

Wie für uns verschiedene Abläufe und Dinge am Tag normal sind, haben auch Kinder ihre normalen Abläufe am Tag für die wir ihnen Zeit einräumen sollten. Wenn man weiß, dass das Kind morgens auf dem Weg zum Kindergarten immer und immer wieder trödelt und stehen bleibt, sollte man das einplanen. Denn dieses Stehenbleiben gehört für das Kind zum Alltag. Vielleicht steht dort ein bestimmter Baum, der bestaunt werden muss oder ein Hund der gesehen werden muss. Diese kleinen Abläufe schaffen Normalität im Alltag und wir sollten versuchen, dafür zeit einzuräumen.

Ich weiß, dass ist nicht immer leicht. Ich bin das beste Beispiel dafür, denn wie gesagt zu 80-90% haben wir jeden Morgen Hektik und Stress, um pünktlich loszukommen.

Kinder machen eben nicht immer das was wir wollen und vor allem selten wann wir es wollen. Das müssen sie aber auch nicht (immer). Denn auch sie haben ihre Vorstellung vom Leben und vom Alltag. Sicherlich müssen sie hin und wieder gelenkt werden und wir müssen ihnen die richtige Richtung aufzeigen, aber im Grunde machen sie das doch alles schon recht gut. Wir müssen nur richtig hinsehen.

Irgendwann wir es besser. Dann gehen die Kinder alleine morgens los. Dann habe ich viel Ruhe und Zeit. Aber dann werde ich auch alleine sein. Alleine am Tisch sitzen. Alleine meine Zähne putzen. Mich alleine anziehen und losgehen.

Also genieße ich jetzt lieber diesen täglichen Wahnsinn der hier manchmal herrscht. Im Moment des Wahnsinns kann ich das natürlich nicht immer genießen. Dann bin ick och gestresst. Ick bin ja och nur ein Mensch. Aber wenn die Kinder schlafen und alles ruhig ist, dann kann ich es genießen. Zumindest so lange, bis ich dei Treppe runter komme und das Chaos mir fröhlich zu winkt. Und was mache ich dann? Ick winke fröhlich zurück und denke “Pah wat willste denn von mir? Ick esse jetzt erstmal ein Eis und entspanne mich!”

Ich stelle also fest: Mit Mamaaugen betrachtet, ist das Leben mit Kindern an manchen Tagen so anstrengend. Aber das ist es wert. Diese Zeit bekommen wir nie wieder.

Eure Dajana 

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