• Home
  • /
  • Erfahrungsberichte
  • /
  • Mein erster Elternabend im Kindergarten und warum ich manchmal “eh du alta Kacka” rufen möchte

Mein erster Elternabend im Kindergarten und warum ich manchmal “eh du alta Kacka” rufen möchte

Hallöchen!

Bisher blieb ick verschont. Gestern war es dann aber so weit. Mein erster Elternabend. Klar ick hätte fernbleiben können, aber da bin ick ja Streber. Schließlich will man sich ja integrieren und vor allem wollte ich sehen, ob Elternabende wirklich so schlimm sind, wie ick vorher schon von vielen anderen gehört habe.

Also machte ich mich frohen Mutes und jut gelaunt um kurz vor halb achte auf den Weg (hätte ick vorher gewusst, dass ick erst knapp drei Stunden später wieder zuhause sein werde, hätte ich mir Reiseproviant und ne Picknickdecke eingepackt). In der Turnhalle angekommen war es schon recht voll. Also drängte ich mich in die hinterste Reihe. Im Kindergarten gelten die selben Regeln wie früher in der Schule: Die Streber sitzen vorne und die Coolen sitzen hinten und spucken Papierkrümelchen auf die Vorderen. Kennste, oder?!

Schöner Spruch zu Beginn des Elternabends

Dann ging es och schon los. Die ersten 45 Minuten verliefen janz angenehm. Der neue Kindergarten und die neuen Raumkonzepte wurden vorgestellt. Sehr schön. Ick war zufrieden und lehnte mich entspannt auf meinem Mini Stühlchen zurück. Kurz darauf hieß es: “So alle runter jetzte. Fragen stellen.” Häh? Wie Fragen? Wurde doch alles erklärt. Wer hat denn jetzt noch Fragen?

Da wirste staunen. Es gibt sie. Diese Eltern, die IMMER Fragen haben. Also bin ich runter gestiefelt in einen der Räumchen. Mein Blick fiel sofort auf die kleinen Waffelhäufchen auf den Tischen. Da sich janz offensichtlich keener getraut hat, habe ich den einen Haufen fast alleene aufgenascht. Gut gesättigt ging mein Streifzug durch den Kindergarten weiter. Ich blieb bei einer der Erzieherinnen vom Mini Chef hängen und hörte andächtig zu. Ab und zu nickte ich wissend. Neben mir stand sie: Die Super Mutter. Ihre Haltung hat mir schon verraten, dass sie lauernd darauf wartete ihre Fragen abzuballern. Und dann ging es auch schon los. Nach der 20.Frage (kann mich nicht mehr genau erinnern wie viele es waren da ich zwischendurch kurz eingenickt war) konnte ich nicht mehr und habe mich entfernt. Ich hatte zu diesem Zeitpukt den größten Respekt vor der Erzieherin, die da in einer Ruhe alle Fragen beantwortete.

 

Schöne Herbstdeko im Kindergarten

Wieder hoch in die Turnhalle. Ich überlegte kurz, ob ich noch ne handvoll Knuspergebäck mitnehmen soll. Hätte ich es mal getan, denn in der Turnhalle saß ick dann noch mal über ne Stunde. Es ging um das Thema “tiergestütze Pädagogik”. Kurze Erklärung: Bei der tiergestützen Pädagogik geht es darum, dass ein Mal die Woche ein Tier (meistens ein Hund) in die Einrichtung kommt und mit den Kindern spielt und agiert. Jeder weiß ja, wie positiv Tiere auf Kinder wirken und oft werden Tiere ja auch in Therapien mit Kindern und Erwachsenen eingesetzt, weil sie sich einfach extrem positiv auf Menschen auswirken. Und welches Kind mag denn bitte schön keine Tiere? Oft kommen Ängste bei Kindern ja von den Eltern, weil die ihre Ängste (unbewusst) auf die Kinder übertragen.

Also wie gesagt der Kindergarten plant, dass jeden Freitag der Hund von der Kindergartenleitung für eine halbe Stunde in den Kindergarten kommt und mit den Kindern spielt. Der Hund erhält dafür extra eine Ausbildung und wurde im Vorfeld schon “getestet”, ob er für solch ein Projekt geeignet ist. Man hat im Vortrag der Leiterin auf jeden Fall gemerkt mit viel Herz und Liebe sie dieses Projekt verfolgt und sich freut, es jetzt den Eltern zu präsentieren.

Ihre Freude wurde dann aber von einem Super Dad ausgebremst, der mit sinnlosem BlaBla und noch sinnloseren Fragen das Gesprächsruder und vor allem die Aufmerksamkeit an sich riss. Der Vater gehört zu den Menschen, die reden, um zu reden. Kennste die? Wie früher in der Schule. Da gab es auch die, die sich einfach nur gemeldet haben, um was zu sagen, obwohl es totaler Müll war, was sie dann gesagt haben.

Super Dad hat total einen auf Willi Wichtig gemacht. Hat sich zuhause die Haare gegelt, das schönste Hemd angerissen und die Schuhe noch mal auf Hochglanz poliert, nur um am Elternabend zu glänzen. Ich dachte echt mich reißt es von meinem Mini Stühlchen. Diese Sinnlosigkeit an Argumentation hat mir fast die Tränen in die Augen getrieben (vor Lachen versteht sich).

Dass nicht jeder Hunden offen gegenüber steht versteh ick. Manche haben Angst oder haben schlechte Erfahrungen mit Tieren gemacht. Davor habe ich wirklich absoluten Respekt. ABER man muss ein geplantes und mit viel Herz verfolgtes Projekt ja nicht gleich schlecht reden und mit sinnlosen Argumentationen klein machen, nur weil man selber keen Bock darauf hat. Das arme Kind vom Super Dad. Das darf zuhause bestimmt nur ganz gesittet spielen, in den Sandkasten darf es auch nicht, da es sich dreckig machen könnte, ins Schwimmbad darf es auch nicht da dort fiese Keime lauern und auf offener Straße darf sich das Kind nicht mehr als einen Meter vom Super Dad entfernen, weil da ja böse Hunde und andere Gefahren lauern. Hallo? Wie soll denn ein Kind die Welt entdecken, wenn es sich nicht mit verschiedenen Situationen auseinander setzt?

Ich finde es großartig, dass unser Kindergarten dieses Tier-Projekt starten möchte. Nicht jeder möchte, dass sein Kind daran teilnimmt. Muss es ja auch nicht. Aber dieses Nicht-Wollen geht dann bestimmt eindeutig von den Eltern und nicht von den Kindern aus, denn Kinder sind ja erstmal offen für (fast) alles. Auch für Tiere. Aber wenn Muddi und Papa ängstlich dahinter stehen, wird dit natürlich nichts.

Auf jeden Fall habe ich mehrmals meine Meinung zu dem Thema kundtun müssen. So bin ich. So war ick schon immer. Meinen Mund habe ich noch nie halten können. Und schon gar nicht, wenn ich merke, wie sehr sich jemand für etwas einsetzt und irgendein Super Dad das auf altklug und mit hoch trabenen Worten kaputt machen will. Schlimm.

Nach knapp drei Stunden war es dann geschafft. Und was war da Ergebnis? Gab keens. Alle sollen Zettel ausfüllen und ankreuzen, ob sie das Projekt wollen oder nicht. Meine Vermutung: Es wird nicht zum Projekt kommen, da es bestimmt einen gibt, der das ablehnt. Und bei nur einer Ablehnung ist das ganze Projekt gestorben. Leider.

Ich möchte hier noch mal ganz deutlich sagen, dass ich natürlich andere Meinungen akzeptiere und wenn jemand Angst vor Hunden hat oder eben nicht möchte, dass das eigene Kind Kontakt zu Hunden hat, dann verstehe und akzeptiere ich das. Wenn aber einer mit einem geschwollenem BlaBla daher kommt und alles im Keim ersticken will, dann akzeptiere ick das nicht und muss mich dazu äußern. Denn dann werden 50 Kinder bestraft und ihnen wird eine Chance genommen etwas Neues zu entdecken, nur weil een Super Dad auf die Sache keen Bock hat. Wo is´n da die Gerechtigkeit?

Ick bin gespannt. In den nächsten Tagen werden wir mehr wissen. Mein Fazit vom ersten Elternabend ist auf jeden Fall: Elternabende sind nicht mein Ding, zu wenig Alkohol Essen (obwohl die Waffeln sehr lecker waren), zu langes Sitzen, viel zu viele sinnlose Diskussionen und nervige Eltern, denen du am liebsten nen Vogel zeigen willst. Stellenweise musste ich mich echt beherrschen, um nicht hoch zu springen und zu rufen: “Eh du alta Kacka. Ich pups dich gleich mal an”.  

Ich habe mich dann aber ganz professionell und erwachsen verwalten und habe mit den Augen gerollt und janz laut “Looser” gehustet.

Ich stelle also fest: Mit Kinderaugen betrachtet, sollen Elternabende ja Entscheidungen für uns Kinder bringen. Ich glaube das vergessen die Eltern manchmal. Es geht da ja nicht um ihre, sondern um unsere Interessen. Daran sollten manche Eltern ab und zu mal denken.

Eure Dajana

10 Comments

  • Hanna

    9. Oktober 2014 at 15:45

    Das Zitat kenne ich von unserem ersten Elternabend. Ich fand ihn "damals" – so lange ist es nicht her… Aber bestimmt schon 2 Monate! – so langwierig. Ständig diese tausend Nachfragen der Eltern, obwohl das schon einmal erzählt und sogar schon einmal nachgefragt wurde. Ich finde Elternabende jetzt schon schrecklich. Hoffe jedoch auf Besserung… Öffentlich nicht umsonst :O

    Antworten
  • Nele E.

    9. Oktober 2014 at 17:41

    Was für ein schönes Projekt sich Eure Leitung da ausgedacht hat! Ich wäre auch begeistert davon. Allerdings habe ich hier noch in keinem Kindergarten von so etwas gehört. Lass uns wissen, wie es ausgegangen ist – ich drücke die Daumen, dass Hund und Kinder zusammen kommen!

    LG
    Nele E.

    Antworten
  • Anonym

    9. Oktober 2014 at 20:21

    Hi Dajana, beim lesen musste ich echt herzhaft lachen, da ich es mir so lebhaft vorstellen konnte. GsD habe ich noch ein bisschen Zeit, aber mir graut es jetzt schon davor.
    Knoppi82

    Antworten
  • Ivonne Heil

    10. Oktober 2014 at 4:49

    Bei uns sind die Elternabende (nur1ximJahr) gott sei Dank etwas besser. Da steht genug Essen auf den Tischen. Vorher wird in der Turnhalle nur der Rundumschlag vom letzten Jahr kurz wiederholt und dann geht es schon in die Gruppen. Da werden nur wichtige Termine angesprochen, der Elternbeirat wird gewählt (der geht dann zur Wahl des EB-Vorsitzenden aus der Gruppe raus) und ansonsten können die Eltern erst nach der eigentlichen "Sitzung" ihre Fragen stellen. Aber ich muss sagen, wir haben auch in unserer Gruppe alles normale und liebe Eltern, die gott sei Dank schon alle Kiga erprobt sind.

    LG

    Antworten
  • Model und Mama

    10. Oktober 2014 at 12:20

    Hi hi hi – ich möchte mal das Gesicht von Super Dad sehen, wenn er deinen Eintrag liest – meinen Artikel über den ersten Elternabend hatten anscheindend alle Erzieherinnen "über Nacht" schon gelesen, weil am nächsten Tag jeder wusste was drin stand (lach) Hey, ich hatte nur die Frage ob der Kindergarten in den Herbstferien offen hat oder ob ich mir dann `nen Babysitter suchen muss – die Fragen der anderen Eltern waren etwas "anspruchsvoller" 🙂

    Antworten

Schreibe einen Kommentar