Vom Loslassen

Hallöchen!

Nun ist es passiert: Seit gestern zählt der Mini Chef zu “den Großen”, denn er hat zwei Wackelzähne. Bisher war er einer der wenigen von seinen vielen Freunden, der noch keinen Wackelzahn hatte. Ich fand das immer gar nicht schlimm. Ist er doch noch mein Baby und ich möchte gar nicht, dass er Wackelzähne hat oder das er überhaupt groß wird, zur Schule geht, auszieht…

Hach, mein Baby ist kein Baby mehr.

Diese Tatsache hat mich dazu bewegt, ein wenig nachzudenken. Über das Leben mit Kindern. Über ihre Entwicklung. Über uns. Als Eltern. Wie wir sie schützen, begleiten und sie eben auch loslassen müssen.

Loslassen…

So oft schon musste ich loslassen. Immer dann, wenn mein Sohn sich wieder entwickelt hat. Etwas Neues dazu gelernt hat. Etwas Altes nicht mehr brauchte.

Das erste Mal loslassen musste ich nach der Geburt. Die Nabelschnur wurde durchtrennt. Mein Sohn war zwar immer noch mit mir verbunden – das wird er auch für immer bleiben – aber körperlich waren wir nun nicht mehr verbunden. Ich habe ihn quasi in die Welt geschickt und es lag nun an mir, ihn auf diese Welt da draußen vorzubereiten und ihn zu einem starken und selbstbewussten Kind zu erziehen.

Mit einem Jahr musste ich wieder loslassen. Wir haben abgestillt. Bis zu diesem Zeitpunkt waren wir eine Art Symbiose. Ich habe ihn ernährt. Ich habe dafür gesorgt, dass er mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt wurde. Ich achtete darauf, mich selber gesund und ausgewogen zu ernähren, denn schließlich trug ich eine große Verantwortung. Das war nun vorbei. Nun entschied nicht mehr ich was mein Baby isst, sondern teilweise er.

Mit knapp 15 Monaten musste ich wieder loslassen, denn zum Laufen benötigte er meine helfende und stützende Hand nicht mehr. Er fiel kaum noch hin und lief sicher und selbstständig. Einfach so, lief er in diese Welt hinaus. Mein Junge.

 

Vom Loslassen, wenn Kinder groß werden

Der Mini Chef mit knapp 18 Monaten

 

Mit etwas über zwei Jahren musste ich wieder loslassen. Und das war ein großer Schritt. Er ging in den Kindergarten. Zunächst nur für drei bis vier Stunden am Tag, bald aber schon von morgens bis nachmittags. Wir hatten zu Beginn ein paar Probleme und mussten nach unserer Rückkehr aus der USA auch leider fast wieder von vorn beginnen, aber schon bald fühlte er sich wohl. Er schloss Freundschaften und mochte alle seine Erzieherinnen und den Kindergarten.

Ich hatte mich damit arrangiert, dass mein Baby nun kein Baby mehr war. Täglich konnte ich beobachten wie er sich veränderte. Er wurde sicherer in seinen täglichen Abläufen, er hatte Vorlieben und mochte vieles auch nicht. Er entwickelte sich zu einem selbstständigen, kleinen Jungen mit einem starken Willen.

Und dann bähm…musste ich wieder loslassen, denn mein Baby verkündete irgendwann, dass er bitte allein bei seinem besten Kumpel bleiben möchte. “Du musst nicht mit da bleiben Mama. Ich bin ja schon groß.” Das war der Anfang vom Ende unserer gemütlichen Mama-Kind-Nachmittage (ok, ab und zu bleibe ich noch bei den Muddis, da sie zum Glück alle zu Freundinnen wurden). Der Mini Chef wird jetzt nur noch “abgesetzt” bei seinen Freunden und gestaltet sich den Nachmittag selber. Und Muddi? Muddi muss loslassen. Immer und immer wieder.

Und nun? Nun hat er auch noch zwei Wackelzähne, rennt morgens manchmal ohne mich zu drücken und nur mit einem schnellen “Bis später Mama”  in den Gruppenraum und geht nächstes Jahr in die Schule.

 

Kinder werden groß und Eltern müssen loslassen

Der Mini Chef mit knapp zwei Jahren

 

Und wisst ihr was? Das ist genau richtig so. Genau so soll es sein. Ich habe alles richtig gemacht. Mein Sohn ist zu einem selbstbewussten und selbstständigen Jungen herangewachsen. Er braucht Mama nicht mehr für alle Situationen in seinem Leben. Er regelt seine “Probleme” oft schon alleine oder greift auf “andere” Erwachsene zurück, die ihm bei der Problemlösung helfen.

Der Mini Chef ist groß und seine kleine Welt dreht sich nicht mehr nur um mich. Er hat sein Universum vergrößert und neben meinem Stern leuchten in seinem Universum viele andere Sterne die da heißen Kindergarten, Freunde, Familie, Sportvereine, Interessen, Vorlieben und Freizeitaktivitäten.

Und genauso so muss es sein. Ich sehe meinem Sohn mit Stolz hinterher, wenn er einfach so “tschüß Mama” ruft und lachend zu seinen Freunden läuft. Er ist angekommen in seinem Leben und bestimmt jetzt viele Dinge selbst. Das bedeutet zwar, dass ich ihn loslassen musste, aber ich weiß auch, dass er weiß, dass er immer wieder zu mir zurückkommen kann. Wenn er mich braucht, bin ich da und wenn er mich nicht braucht stehe ich im Hintergrund bereit.

Und wisst ihr was. Am Abend, wenn wir ganz dicht zusammen gekuschelt im Bett liegen oder Nachts, wenn er halb aufwacht, nach mir sucht und “kuscheln Mama” sagt, dann gibt es wieder nur zwei Sterne. Seinen und meinen. Dann ist er wieder mein Baby!

Und wie sagt er immer so schön “Mama ich werde immer dein Baby bleiben. Auch wenn ich schon groß bin!”

Ich stelle also fest: Mit Mamaaugen betrachtet, müssen wir alle irgendwann loslassen. Das ist nicht immer einfach, aber im Herzen wissen wir, dass unsere Babys immer wieder zu uns zurückkehren werden.

Eure Dajana 

 

8 Comments

  • Julia Wunsch

    8. November 2017 at 20:51

    Loslassen. Ja das fällt mir schwer, meine Tochter ist 3, und es wird mir nie leicht fallen. Was mir dabei einfällt, die Traurigkeit in mir, weil die Zeit viel zu schnell vergeht und man “das Baby” nicht ausreichend genießen kann…
    Zu Stressig ist der Alltag. Es fehlt die Zeit zum spielen und kuscheln. Wieder ein Jahr rum. Wo ist der Stoppknopf?
    Und dann muss man wieder und wieder loslassen.

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  • Antje

    9. November 2017 at 8:02

    Sehr schön geschrieben.Mir geht es genauso.Ich liebe meinen Sohn über alles.Nun ist und bleibt er Einzelkind.Da ist es vielleicht noch etwas schwieriger mit loslassen.Mir fällt es manchmal sehr schwer.

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  • Katinka aus LE

    9. November 2017 at 11:13

    Dajana, ich heule. Kind N°1 wird im Januar 10 Jahre alt, ich fasse es nicht. 10!!!!
    Kind N°2 ist 5 und wird im April 6. Auch unfassbar. Warum geht das nur alles so schnell. Wo ist die Stoptaste bitte? Aber da ist auch dieser Stolz. Kinder zu begleiten ist einfach wunderbar.

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  • Jasmin Hil.

    9. November 2017 at 15:25

    Komisch das so Wunderbare,eigentlich selbstverständliche Dinge manchmal auch traurig machen können. Ich hab mit diesen Gefühlsmix zwischen Stolz und Trauer auch oft zu kämpfen.

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